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- 22.03.2019 Es rettet uns kein höh´res Wesen ...
Es rettet uns kein höh´res Wesen ...
Schon vor Beginn der Veranstaltung wurde eifrig diskutiert - hier Hamburgs IG BAU-Vorsitzender Matthias Maurer mit Referentin Renate Wapenhensch.
Als offenen Diskussionspro- zess beschrieb Regionalleiter André Grundmann die Debatte zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Dass er selber kein Freund des BGE ist, ließ er mehrfach durchblicken.
Ein Meinungsbild oder gar eine Abstimmung unter den Teilneh- merInnen gab es nicht: Die IG BAU will sich für ihre Positionierung noch bis zum nächsten Gewerkschafts- tag Zeit nehmen ...

Inhaltlich startete der Tag mit einem Impulsreferat von Renate Wapenhensch, die leidenschaft- lich für das BGE warb.
Dafür zitierte sie unter anderem Heiner Geißler: "Wir Deutschen haben Geld wie Dreck, es ist nur falsch verteilt".
Fast 100 KollegInnen waren nach Lübeck gekommen - etwas mehr als erwartet, etwas weniger als erhofft (alle Fotos: Harning).
Das Bedingungslose Grundeinkommen
Als "Bedingungsloses Grundeinkommen" (BGE) wird ein Vorschlag zur künftigen Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme bezeichnet, bei dem jeder Bürger eines Landes ohne Prüfung seiner Verhältnisse und ohne Vorbedingung ein monatliches, staatliches Grundeinkommen erhält. Während neoliberale Befürworter des BGE davon ausgehen, dass mit diesem Betrag - oft werden 1.000 Euro genannt - alle staatlichen Sozialleistungen abgegolten sind, sehen Gewerkschafter- und SozialpolitikerInnen das Grundeinkommen als Ergänzung zu Arbeitslosengeld, Rente & Co.
Und genau da liegt die Krux: Wird das BGE tatsächlich zusätzlich zu den traditionellen Sozialleistungen ausgezahlt, entstehen dem Staat hohe Mehrkosten - schon bei einem BGE von 1.000 Euro/Monat rechnen Kritiker mit rund einer Billion Euro. Selbst wenn es gelingt, Reiche und Superreiche überproportional in die Verantwortung zu nehmen wohl ein Betrag, der nur mit einer deutlich höheren Besteuerung von Löhnen realisierbar ist.
Angetrieben wird die Diskussion von der allgemeinen sozialen Schieflage, der Sanktionswut der Hartz-Gesetzgebung, aber auch von der "Digitalen Revolution", durch die langfristig der Wegfall zahlloser Arbeitsplätze befürchtet wird. Weitere Informationen zum BGE gibt es unter anderem hier, hier, hier und hier.
Das BGE - eine soziale Alternative? Nach Meinung von Ralf Krämer eher der Glaube an ein "höh´res Wesen".
In seinem Referat spielte der Realismus eine große Rolle, denn eine soziale Variante des BGE würde jährlich rund eine Billion Euro kosten.
Daher plädierte Krämer dafür, die Kraft lieber in die laufenden Verteilungskämpfe zu investieren (alle Fotos: Harning).
Olaf Harning