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1. Mai im Zeichen der Tariftreue

Erst unsere Jobs, dann Eure Profite!

Tariftreue versprochen - Tariftreue gebrochen
Tariftreue versprochen - Tariftreue gebrochen: Protest der IG BAU gegen den jüngsten Senatsentwurf eines Tariftreuegesetzes (Foto: Harning).
08.05.2026
Nachrichten

Mehr als 25.000 Menschen haben auf verschiedenen Demonstrationen am 1. Mai in Hamburg für gute Jobs, Solidarität und Tariftreue demonstriert. Am Rande der DGB-Demo protestierten Mitglieder der IG BAU gegen den Versuch des Hamburger Senats, den Beschäftigten ein Tariftreuegesetz zu verkaufen, das nicht das Papier wert ist, auf dem es steht.

 

So versammelten sich schon am Start der Demonstration mehrere Dutzend BAU-Leute hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Hamburger Senat: Tariftreue versprochen - Tariftreue gebrochen" und machten mit Sprechchören und Flyern auf die Situation aufmerksam.

Kurz vor Erreichen des Kundgebungsplatzes am Fischmarkt zündeten Aktivisten dann Rauchtöpfe und Pyrotechnik am Rande des Marsches, um auch SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher mit dem Protest zu konfrontieren, der sich zwischenzeitlich in die erste Reihe der Demonstration begeben hatte - um seine vermeintliche Nähe zum DGB zu dokumentieren.

Im Verlauf der Demo wurden sowohl Tschentscher, als auch Finanzsenator Andreas Dressel (ebenfalls SPD) immer wieder lautstark von Teilnehmer*innen für Ihre Weigerung kritisiert, ein wirkungsstarkes Tariftreuegesetz auf den Weg zu bringen.

Stattdessen legte der Senat - nach nicht weniger, als sechs Jahren intensiver Verhandlungen - einen Entwurf vor, der das bundesweit mit Abstand schwächste Tariftreuegesetz bedeuten würde: Eine Garantie von Tariflöhnen bei öffentlichen Aufträgen ist darin nicht vorgesehen, stattdessen sollen Tarifverträge lediglich eine "Orientierung" darstellen. Selbst das ist nur für Aufträge ab 500.000 Euro vorgesehen und soll auch erst 4 Monate nach Baubeginn gelten (weitere Infos dazu im Flyer weiter unten). 

Stark beteiligt an den Protesten: die Junge BAU Hamburg, die in diesem Jahr auch stark im Jugendblock des DGB engagiert war - und dort im wahrsten Sinne des Wortes "geliefert" hat: zusammen mit dem Nachwuchs anderer Einzelgewerkschaften machte die Junge BAU eineinhalb Stunden lang lautstark und emotional auf die Anliegen junger Beschäftigter und Azubis aufmerksam - und elektrisierte damit sogar die Demoblöcke vor und hinter dem Jugendbereich.

Im Nebel der Pyrotechnik
Im Nebel gezündeter Pyrotechnik passiert die Demospitze mit Peter Tschentscher kurz vor dem Fischmarkt protestierende BAU-Leute (Foto: Harning).
Die Spitze der DGB-Demo kurz vor dem Start.
Die Spitze der DGB-Demo kurz vor dem Start. Alleine hier beteiligten sich mehr als 10.000 Menschen - deutlich mehr als in den Vorjahren.
Zunächst beteiligte sich die Junge BAU maßgeblich an den Protesten für ein Tariftreuegesetz ....
Stark vertreten in diesem Jahr: die Junge BAU - zunächst an den Protesten für ein wirksames Tariftreuegesetz ....
... anschließend am Demoblock der DGB Jugend(en)
... anschließend am Demoblock der DGB-Jugend(en), der nicht zu überhören und -sehen war.
alle Fotos: Harning.
Alle Fotos: Harning.

Noch im Demonstrationszug äußerte sich Hamburgs DGB-Vorsitzende Tanja Chawla zum Verlauf der Demo und freute sich über die hohe Zahl der Teilnehmer*innen: "Heute ist der 1. Mai, unser Tag der Arbeit. Wir sind hier heute auf der DGB-Demo mit vielen tausend Hamburgerinnen und Hamburgern, als Stimme der Beschäftigten - für soziale Sicherheit, für gute Arbeit und gegen den geplanten Abbau sozialer Leistungen! Denn unsere Kolleginnen und Kollegen sind nicht Schuld an der Krise!"

Alleine an der traditionellen Mai-Demo des DGB beteiligten sich in diesem Jahr mehr als 10.000 Menschen. Sie zogen vom S-Bahnhof Ottensen zum Fischmarkt, wo eine Abschlusskundgebung stattfand und zahlreiche Gewerkschaften und Organisationen über ihre Arbeit informierten. Parallel dazu nahmen mehrere hundert Gewerkschafter*innen an Mai-Kundgebungen in Bergedorf, Harburg, Stade, Lüneburg und Elmshorn teil.

Unterhaltsames Treiben am Stand der IG BAU am Fischmarkt.
Nicht nur für Boomer: Aktionen am Infostand der IG BAU auf dem Fischmarkt.
Ein breites Bündnis war bei "Wer hat, der gibt" auf den Beinen.
Ein breites Bündnis war auch bei "Wer hat, der gibt" auf den Beinen.
We are on fire.
Gut 8.000 Menschen zogen vom Jungfernstieg zum Eppendorfer Baum.
Für Offene Grenzen & Menschen, statt fürs Kapital
Für Offene Grenzen & Menschen, statt für´s Kapital (alle Fotos: Harning).

Am späten Mittag dann begann eine weitere Mai-Demonstration des Aktionsbündnisses "Wer hat, der gibt", die vor allem auf gesellschaftliche Ungleichheit, den (über)großen Reichtum in Teilen der Stadt und die Notwendigkeit der Solidarität mit all Jenen hinwies, die außerhalb der allgemeinen Komfortzone leben. In diesem Sinne zogen gut 8.000 Menschen, begleitet von lauten Bässen, durch die Hamburger "Reichen-Ghettos" Harvesterhude und Rotherbaum - mit provokaten Parolen, wie "Wer hat, der gibt - wer nicht gibt, wird enteignet". Einige der Adressaten nahmen diesen Ball auf und stellen sich demonstrativ in feinem Zwirn - und mit Sekt- und Weingläsern in der Hand an den Rand der Demo-Route. Know your enemies.

Abgerundet wurde der "Mayday" am Abend durch die ebenfalls schon traditionelle "Revolutionäre 1. Mai-Demo" in Altona, an der sich noch einmal mehr als 10.000 Menschen beteiligten. Wütend, stimmungsvoll - und friedlich. Fazit: der 1. Mai in Hamburg ist vielfältig geworden - und rückt wieder verstärkt ins Bewusstsein der arbeitenden Menschen. 

Olaf Harning

Der Flyer der IG BAU Hamburg zum Entwurf des Hamburger Tariftreuegesetzes.